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Was soll ein Artikel zum Kapitalismus im Neoliberalismus?
Um zu erkennen, was falsch ist, muss man erst einmal wissen, was richtig ist. Konkret: Für die Erkennntis, was und warum an neoliberalen Dogmen unwahr ist, bedarf es des Wissens um die korrekten Zusammenhänge.
Diese Wikiseite wurde ist eine Spiegelung des Artikels
Das kapitalistische Manifest. Was Kapitalisten, Kommunisten und Andere endlich begreifen sollten! im kritischen-Netzwerk. Erweiterungen und Ergänzungen finden nur noch hier statt. Auch Kommentare sollten hier und nicht im kritischen Netzwerk eingestellt werden.


EinfuehrungBearbeiten

Es ist in Diskussionen immer wieder festzustellen, dass zwar die gleichen Begriffe verwendet, diese dann aber unterschiedlich aufgefasst oder gar fehlgedeutet verwendet werden. I.d.R. findet zu Beginn keine Klärung der Termini statt, die sichergestellt, dass Alle nicht nur über die gleichen Begriffe, sondern insbesondere über die gleichen Inhalte sprechen. Diese Vorabklärung ist z.B. in technischen Normen (DIN, EN, ISO) absoluter Usus - aus besagtem Grund. Was sich in der Technik zur Vermeidung unnötiger begrifflicher Missverständnisse bewährt hat, sollte in jeder Analyse, die Anspruch auf Relevanz erhebt und potenziell interpretierbare Termini enthält, Pflicht sein.

Gerade beim Begriff "Kapitalismus" ist dies insbesondere vonnöten, weil einerseits i.A. darüber nur eine diffuse Vorstellung besteht, was denn dieser Vielgescholtene nun eigentlich ist und anderseits selbst unter Personen mit kritisch-reflektiertem und fundierten Wissen in Form diverser (und 20) miteinander konkurrierender „Kapitalismus-Theorien“ keine Einigkeit über eine allgemein untereinander akzeptierte Auffassung besteht.

Weil hinter den Begrifflichkeiten entscheidende Inhalte stehen, bedarf es u.a. der Klärung der Frage: Was eigentlich ist Kapitalismus? . . . Und was nicht?

Komplexe Probleme - wie z.B die wirtschaftlich extreme und sich ständig verstärkende Vermögensungleichheit - sind weder monokausal zu erklären, noch zu beseitigen. Komplexe Probleme besitzen immer multifaktorielle Ursachen. Dies nicht nur [intellektuell] zu verstehen, sondern insbesondere zu internalisieren, ist in unserer Zeit wichtiger als je zuvor: In der Gesamtsicht sind die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse katastrophal und sie werden immer schlimmer. Aufgrund jener faktischen Vielfältigkeit von Problemursachen gibt es auch die unterschiedlichsten Vertreter an sich guter Lösungsansätze. Leider ist die unter diesen oft anzutreffende Sichtweise, da Monokausalität angenommen wird, das Problem erkannt und die Lösung parat zu haben. Und zwar jeweils andere, weil de facto unterschiedlichste existieren.

So vergeuden nicht Wenige ihre Kräfte in gegenseitigen, kontraproduktiven Grabenkämpfen (z.B. Kommunisten gegen Freiwirtschaftler (link is external)) und spielen somit indirekt und ungewollt den Mächtigen wie auch dem System in die Hände, welche[s] man zu bekämpfen vorgibt, anstatt sich gemeinsam zu ergänzen und zusammen die nötige breite Front des Widerstandes zu bilden. Es ist eben keine Frage des „entweder/oder“, sondern wieder einmal, wie die Lebenserfahrung immer wieder lehrt, eines „sowohl als auch“!

Wenn viele Systemkritiker, die gewisse Probleme völlig korrekt erkannt haben und kritisieren, diese an sich fundamentale Erkenntnis endlich einmal verinnerlichen würden, indem sie die dogmatischen Grenzen ihrer Ideologie / Sichtweise durchbrechen und realisieren „nur einen Teil eines viel größeren Puzzles“ zu besitzen, dann [und wahrscheinlich nur dann] kann es gelingen, die nötige Anzahl Menschen zu verbinden, die gemeinsam die Initialzündung in eine „bessere Welt“ bilden. Das erfordert, über lieb gewonnene [Pseudo-]Feindbilder und eine vermeintliche ideologisch / dogmatische „Gralshüterschaft“ (nur wir haben die Lösung, alle Anderen liegen falsch) hinauszuwachsen. Ob dafür um der Wahrheit und der Menschen Willen Genügend auch die nötige Charaktergröße besitzen, dürfte wohl letztlich ein viel entscheidender Punkt sein.

Disclaimer: der Autor macht sich nicht immer automatisch allen Aussagen verlinkter Quellen in Gänze zu eigen. In einigen Fällen korrigiert nachfolgender Artikel sogar manche dieser Aussagen.

Das Wesen des KapitalismusBearbeiten

Was ist Kapitalismus? Eine Definition Bearbeiten

[Der sog. "morderne"] Kapitalismus, wie er hier in dieser Analyse verstanden wird, ist ein Phänomen der Neuzeit, welches erst rund 1760 in England mit der Maschinisierung von Webstühlen und Spinnereien seinen Anfang nahm. In diesem Kontext sei auf drei bemerkenswerte Sachverhalte hingewiesen, die einer möglichweise naheliegenden Erwartungshaltung entgegen stehen:

  • Die Technik (Dampfkraft) war schon lange bekannt und wurde nicht neu erfunden! Daraus folgt der bis heute gültige Sachverhalt, dass Technik (im Produktionsprozess) nicht eingesetzt wird, weil sie existiert, sondern nur dann, wenn sie sich auszahlt - wenn ihr Einsatz einen Mehrgewinn verspricht. Oder im Wirtschaftssprech: wenn sich die Investition innerhalb eines gewissen Zeitraums amortisiert. Dies ist i.d.R. nur dann der Fall, wenn Punkt 5 der folgenden Definition erfüllt ist.
  • In seiner Entstehungsphase hatte der Kapitalismus weder etwas mit Industrie, noch großen Vermögen zu tun - es war „nur“ die Maschinisierung von Webstühlen und Spinnereien, die durch Kleinstunternehmer ohne bedeutendes Vermögen ausgetüftelt wurden
  • Die ersten Installationen dieser Technik erfolgten durch einfache Handwerker, die z.T. nicht einmal lesen konnten und nicht durch Wissenschaftler, Forscher oder sonstwie [akademisch] besonders gebildete Leute


Kapitalismus ist ein Wirtschaftssystem in Form eines . .

  1. sich ggf. selbst erhaltenden dynamischen Prozesses
  2. mit totaler Wirkmächtigkeit (nicht nur Wirtschaft, sondern auch Gesellschaft),
  3. der wirtschaftliches Wachstum sowohl erzeugt wie auch benötigt, auf
  4. systematischer Substitution von menschl. Arbeit durch Effizienz- & somit Produktivität-steigernde Technik (> Kapital),
  5. dem Einsatz von Energieträgern (> Produktionsfaktor),
  6. einem FIAT-Kreditgeldsystem, sowie
  7. im Regelfall abhängiger & arbeitsteiliger Lohnarbeit basiert und sowohl durch
  8. Bestreben zur Gewinnsteigerung,
  9. technische Innovation,
  10. [mittlerweile, nicht systemisch] die Finanzwirtschaft wie auch durch
  11. hohe sowie steigende Löhne getrieben ist.

Kapitalismus ergibt sich aus der Gesamtheit bzw. der menscheitsgeschichtlich einmaligen Kombination der o.g. Sachverhalte. Dies kann gar nicht anders sein, weil Kapitalismus ein komplexes Phänomen ist. Komplexe Sachverhalte lassen sich hinreichend niemals monokausal, sondern immer nur multifaktoriell erklären. Die entscheidenden, spezifisch neuen Elemente sind dabei:

  1. Produktivitätssteigernde Technik (Maschinen & Anlagen), welche menschl. Arbeitskraft ersetzen, sowie
  2. technische Innovation im Produktions- und Dienstleistungsbereich, welche in einen fortwährenden produktivitätssteigenden Prozess mündet, sofern seinen Wirkprinzipien hinreichend Genüge getan wird.

Langfristig ohne Wachstum kollabiert der Kapitalismus brutal und chaotisch. Jegliche andere Definition von Kapitalismus muss sich den beiden Problemen stellen

  • wie sie die bis dato weltweit und geschichtlich einmalige Zunahme wirtschaftlichen Wachstums pro Kopf erklärt, die in England im 18. Jahrhundert ihren Anfang nahm und
  • wie sie Kapital überzeugend definiert: da Kapitalismus ein neues Phänomen, darstellt kann Kapital nicht etwas sein, was schon früher existierte (also weder Geld noch überregionaler Handel). Ein Kapitalismusverständnis, welches nicht in der Lage ist, hierauf eine überzeugende Antwort zu liefern oder womöglich ganz ohne Kapital auskommt - also Kapitalismus ohne Kapital - ist entweder nicht korrekt oder beschreibt ein anderes Phänomen.

Klärung allgemeiner Kapitalismus-MissverständnisseBearbeiten

Um über die vorgenannte Definition hinaus mit allgemeinen Fehlannahmen aufzuräumen, was nämlich kein [originäres] Phänomen des Kapitalismus ist:

  • Kapitalismus ist keine Ideologie, sondern ein abstrakter Prozess. Als solcher hat er weder Willen noch Absichten. Seine Entstehung war ungeplant und unvorhersehbar.
  • Kapital ist nicht Geld. Weil es Geld schon seit rund 4000 Jahren gibt, Kapitalismus und somit Kapital aber erst seit 1760. Folgerichtig kann Kapital nicht Geld sein.
  • Zinsen sind ebenfalls kein Phänomen des Kapitalismus, weil es Zinsen schon so lange wie Geld gibt, Kapitalismus aber erst seit rund 250 Jahren.
  • Auch Spekulation ist ein vom Kapitalismus unabhängiges Phänomen, da es Spekulation ebenfalls schon viel länger gibt
  • Ausbeutung kann ebenfalls kein [originäres] Phänomen des Kapitalismus sein: die schlimmste Form von Ausbeutung ist Sklaverei - diese gab es ebenfalls schon seit mehreren Jahrtausenden.
  • Kapitalismus ist kein Gegensatz zur Planwirtschaft - weil auch im Kapitalismus geplant wird - nur eben nicht zentral & staatlich, sondern dezentral & privat. Unternehmen planen ständig, ermitteln Marktbedürfnisse und richten sich nach Prognosen aus. Ohne Planung wäre es viel zu chaotisch.
  • Staat und Kapitalismus sind kein Widerspruch: Spätestens (tatsächlich schon früher, siehe das Buch "Das Ende der Megamaschine (link is external)" von Fabian Scheidler, siehe auch dieser Videobeitrag (link is external)) mit dem sog. Hochkapitalismus - also der Industrialisierung - hat es ein inniges, miteinander verflochtenens und gegenseitig beeinflussendes Verhältnis von Staat und Industrie gegeben. Allein aufgrund der inhärenten Instabilität des Kapitalismus bedarf er systemisch eines stark eingreifenden und regulierenden Staates. Der Staat ist also keineswegs der Feind des Kapitalismus, sondern ist dringend auf diesen angewiesen.
  • Der größte & allgemein am häufigsten kolportierte Irrtum ist die Annahme, dass Kapitalismus Marktwirtschaft wäre. Dem ist de facto nicht so! Dies wird in dem kommenden Modul-Artikel 2 zum Neoliberalismus nachgewiesen.

Innere Widersprüche und/oder Folgen anderer KapitalismusdefinitionenBearbeiten

Angenommen, Kapital würde doch als Geld definiert. Geld aber gab es erwiesener Maßen schon seit Beginn menschlicher Aufzeichnung (rund 4000 Jahre, Mesopotanien) und abgesehen von ganz „primitiven Kulturen“ überall in sämtlichen Wirtschaften und über alle Zeiten hinweg. Dann müsste es auch überall und seit jeher schon Kapitalismus gegeben haben. In dem Fall wäre der Versuch, Kapitalismus abzuschaffen, schon im Ansatz zur Erfolglosigkeit verdammt - selbst im Kommunismus gab es Geld und somit Kapital (gemäß dieser falschen Definition). Auch die theoretischen Ansätze durch Marx und Engels kommen nicht ohne Geld aus. Vielmehr ist es Marx selbst, der früh erkannt hat, dass Technik - die Maschinen und Anlagen im Produktionsprozess - das Kapital ist. Wenn Kapital Geld wäre, dann würde die Forderung einer Abkehr vom Kapitalismus in einer Abschaffung des Geldes münden. Wollen wir das? Wie soll eine moderne Gesellschaft ohne Geld auskommen? Wo sind die Theorien, die das überzeugend modellieren? Würde mit der Abschaffung des Geldes auch die extreme Vermögensungleichkeit durch Eigentum von Boden und Unternehmen beseitigt.

Wird Kapitalismus hingegen als überregionaler Handel verstanden, dann ist Kommunismus wieder keine Lösung, denn auch dort wurde überregional gehandelt. Außerdem gab es schon seit Jahrtausenden überregionalen Handel - Stichwort: Seidenstraße. Gemäß dieser Fehldefinition würde die Forderung einer Abkehr vom Kapitalismus in einer Abschaffung der Fernhandels münden. Aber wäre dadurch tatsächlich der Kapitalismus beseitigt? Offensichtlich nicht.

Ergo: andere Auffassungen von Kapitalismus, als die hier vertretene, scheinen andere Phänomene, die ohne Zweifel jenseits des [modernen] Kapitalismus existieren, zu beschreiben.

Die Wirkmechanismen des kapitalistischen Wachstumsprozesses Bearbeiten

Warum der kapitalistische Wachstumsprozess entgegen allgemeiner Fehlannahmen lohngetrieben ist und zwar durch hohe sowie wachsende und nicht niedrige Löhne: nur bei hohen und wachsenden Löhnen lohnt sich Investition in menschliche Arbeitskraft ersetzende Technik (Maschinen & Anlagen), die Kapital ist. Dies verdeutlicht folgende Tabelle:

Tabelle 1: Kausalkette der Wirkmechanismen & Erfordernisse des kapitalistischen Wachtumsprozesses

  1. Hohe (höchste) Löhne (in England) machen Produkte (Textilien) zu teuer und somit nicht wettbewerbsfähig
  2. Folge > drohender Bankrott und Arbeitslosigkeit (der Textilhersteller)
  3. Erfordernis: Effizienzsteigerung des Produktionsprozesses zur Abwendung
  4. Folge > erstmaliger Ersatz menschlicher Arbeitskraft (weil diese „zu teuer“ war) durch Einsatz von teurer Technik zur Effizienz- bzw. Produktivitätssteigerung, die sich nun aufgrund hoher Löhne auszahlte
  5. Folge > Mehrproduktion / Massenproduktion (MP)
  6. Erfordernis: längerfristige Aufrechterhaltung (der MP) erfordert Massenabnahme (faktischer Sachverhalt)
  7. erfordert Massenkaufkraft (Fähigkeit als theoretischer Sachverhalt)
  8. erfordert hinreichend hohe Löhne der Masse der Gesellschaft
  9. Folge > machen Investition in teurere, noch effizientere Technik (im Sinne des Bestrebens zur Gewinnsteigerung) lohnenswert
  10. erfordert Entwicklung und Produktion noch effizienterer Technik durch Hersteller und deren Arbeitnehmern
  11. Folge > weitere Produktionssteigerung durch noch effizientere Technik
  12. Folge > steigende Massenproduktion (MP)
  13. Erfordernis: längerfristige Aufrechterhaltung der steigenden Massenproduktion erfordert steigende Massenabnahme
  14. erfordert hinreichend steigende Massenkaufkraft und somit hinreichend steigende Löhne der Masse der Gesellschaft
  15. Folge > sich selbst erhaltender dynamischer Wachstumsprozess (selbstverstärkender Rückkopplungsprozess > Schleife zu 5)
  16. Erfordernis: siehe folgendes Kapitel:


Erfordernis vs. BefriedigungBearbeiten

Zwar mündet diese Kausalkette in einen „sich selbst erhaltenden“ dynamischen Wachstumsprozess (selbstverstärkender Rückkopplungsprozess) - aber nur unter einer extrem wichtigen Voraussetzung: Das Problem nämlich ist die Erkenntnis und Befriedigung der Erfordernis ständig steigender hoher Löhne - daran mangelt es nicht nur selbst bei den Unternehmen und Kapitalisten landauf, landab. Noch mehr konterkariert das inkompetente Gefasel und dessen Umsetzung von „Lohnzurückhaltung zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit“ neoliberaler Zuträger diese wichtige Voraussetzung: ein Erfordernis bedingt nämlich noch lange nicht dessen Erfüllung (so wie Menschen nicht deshalb satt werden, weil sie hungern).

Der Kapitalismus drohte zu Zeiten Marx, als die Gesellschaft verarmte, weil die Arbeitnehmer nicht an den Wachstumssteigerungen beteiligt wurden, an Gier und Unverständnis der sog. „Arbeitgeber“ zu scheitern! Genauso war es bei der großen Depression in den USA. In Europa war es nicht die Einsicht der „Arbeitgeber“, die schließlich doch noch den Kapitalismus „rettete“, sondern der durch die katastrophalen Missstände hervorgerufene Arbeitskampf der Gewerkschaften und Arbeiter um höhere Löhne. Wäre dieser Arbeitskampf nicht erfolgreich gewesen so wäre der Kapitalismus zusammengebrochen.

In den USA war es der sog „new deal“, welcher den Kapitalismus aus der akuten Notlage des drohenden Zusammenbruchs befreite. Es waren also die Befriedigung sozialer und Gerechtigkeits-Aspekte, die den Kapitalismus vor dem Untergang bewahrte.

Die destruktive Kausalkette mit ihren verheerenden Konsequenzen bei Umsetzung der neoliberalen Propaganda nicht steigender Reallöhne bzw. Lohnzurückhaltung in faktische Wirklichkeit ist dem kommenden KN-Artikel über Neoliberalismus zu entnehmen.

Eine bloße Steigerung der Löhne reicht übrigens nicht aus: die Steigerung muss hinreichend sein, d.h. [mind.] in der Höhe der Produktivitätssteigerung. Wenn die Löhne zwar steigen, aber die Steigerung unterhalb der des Produktivitätswachtsmums liegt, ergibt sich wiederum eine wachsende Kluft zwischen steigender Massenproduktion und nicht mithaltender Massenkaufkraft, was langfristig ebenso in die Krise führt.

Fazit: Kapitalismus ist systemisch auf ständig steigende Massenproduktion angelegt und somit von der Abnahme durch die breite Masse abhängig. Eine kleine Schicht Superreicher - und seien diese auch noch so vermögend - ist unmöglich in der Lage, diese Massenabnahme erfolgreich zu bewältigen! Der Wachstumsprozess funktioniert daher langfristig und dauerhaft nur, wenn hinreichend Viele (d.h. nahezu alle) am Wachstum hinreichend partizipieren. Nur wenn die breite Masse in Form hoher und hinreichend steigender Löhne mitprofitiert bleibt der Wachstumsprozess in Gang - Kapitalismus ist also wenigstens langfristig auf eine entsprechende Beteiligung der Breite der Gesellschaft an steigenden Gewinnen der Unternehmen angewiesen. Dies haben die Allermeisten - insbesondere Kapitalisten und Politiker - bis heute nicht begriffen.

Weiterführendes:

Es sei verwiesen auf das Buch von Frau Ulrike Herrmann „Der Sieg des Kapitals“ (link is external) und entsprechende Vorträge:

► Ulrike Herrmann: Anfang und Ende des Kapitalismus

► Ulrike Herrmann: Der Sieg des Kapitals

Wettbewerb führt zu seiner AbschaffungBearbeiten

Den dialektischen Charakter des Wettbewerbs hat schon Marx erkannt: Ursprünglich (zu Beginn des industriellen Revolution) vorhandener Wettbewerb im Sinne der Konkurrenz Vieler mündet durch systemischen Druck in einen Verdrängungswettbewerb, an dessen Ende in Form eines Kartells/Oligopols oder Quasi-Monopols nahezu oder gar kein Wettbewerb mehr herrscht. Oder einfacher: zu Beginn vorhandener Wettbewerb führt dazu, dass am Ende kein Wettbewerb mehr existiert.

Der systemische Druck zur Macht- bzw. Kapitalakkumulation ergibt sich wiederum durch die Technik: um weitere Effizienz- bzw. Produktivitätsfortschritte zu erzielen, bedarf es immer aufwändigerer und damit teurer Technik, die schließlich Milliarden kostet (neues PKW-Modell, neues Medikament, neue Chip-Fabrik, noch leistungsfähigere Serverfarm). Dies können sich immer weniger Unternehmen leisten und werden schließlich durch die größten vom Markt verdrängt. Dass in einem Oligipol praktisch kein Wettbewerb mehr existiert hat die Spieltheorie hinlänglich nachgewiesen, weil den verbleibenden wenigen Teilnehmern nur zwei Alternativen bleiben: entweder Kooperation oder ein ruinöser Verdrängungswettbewerb mit ungewissem Ausgang.

Selbstverstärkender Rückkopplungsprozess Bearbeiten

Die zu Beginn dieses Unterkapitels analysierten Wirkprinzipien des kapitalistischen Wachstumsprozesses deuten darauf hin, dass dies ein sich selbst verstärkender Rückkopplungsprozess ist. Ein selbstverstärkender Rückkopplungsprozess, auf den äußere, mehr oder weniger chaotische Einflüsse einwirken, neigt systemisch zur Instabilität.

In der Elektrotechnik führen solche Prozesse, wenn sie falsch geregelt werden, zur Oszillation (was sehr schlecht ist) oder enden, wenn sie gar nicht geregelt werden, mit dem Exitus (Crash). Mit anderen Worten: Einen selbstverstärkenden Rückkopplungsprozess sich selbst zu überlassen führt in die Instabilität bzw. ins Chaos – in der Wirtschaft eben in schwere Krisen.

Die vom wirtschaftspolitischen Mainstream oft zu hörende Forderung, den kapitalistischen Wirtschaftsprozess sich selbst zu überlassen und nicht regulativ einzugreifen, sondern "freie Märkte" herzustellen, zeugt von fundamentaler Unwissenheit und Inkompetenz über das Wesen des Kapitalismus.

Was macht Fehlsteuerung aus?Bearbeiten

Die Nichtbeachtung - oder im schlimmsten Fall die Konterkarierung - dieser kapitalistischen Wirkmechanismen.
I) Konkret (nur beispielhaft):

  1. Da der kapitalistische Wachstumsprozess auf hohen und steigenden Löhnen basiert sind alle Maßnahmen kontraproduktiv, die nicht zu mit den Produktivitätssteigerungen adäquat mitwachsenden Lohnsteigerungen führen - wie z.B. "Lohnzurückhaltung", Lohndumping, Niedriglöhne, Ausbeutung und das repressive ALG I/II(Hartzv IV)-System.
  2. Alle Maßnamhmen, welche auf der Annahme beruhen, es würden viele Anbieter in einem Konkurrenzwettbewerb stehen und deswegen davon ausgehen, eine echte Konkurrenzsituation würde zu "richtigen" Preisen führen.
  3. Da Kapitalismus ein selbstverstärkender Rückkopplungsprozess ist sind alle Maßnahmen, welche dies nicht berücksichtigen, wie z.B. Austeritätspolitik, "In die Krise hineinsparen" oder eine Schuldenbremse kontraproduktiv.

II) Allgemein lässt sich feststellen: nahezu alle neoliberalen Forderungen stellen eine Fehlsteuerung des kapitalistischen Wachstumsprozess dar. Welche das konkret sind, ist z.B. dem Kapitel Neoliberale Forderungen zu entnehmen.

Betriebs- vs. VolkswirtschaftBearbeiten

Zunächst zur Begriffsklärung: Während Volkswirtschaft und Makroökonomie weitestgehend kongruent sind (wobei sich Makroökonomie auch auf mehrere Volkswirtschaften beziehen kann) geht der Terminus Mikroökonomie über die reine Betriebswirtschaftslehre hinaus, indem er auch private Haushalte umfasst.

Oft wird in wirtschaftspolitischen Debatten die sog. „schwäbische Hausfrau“ bemüht. Das zeugt davon, dass nicht einmal ein hinreichendes Minimum an Basisverständnis bzw. -wissen vorhanden ist: nämlich die Kenntnis um den fundamentalen Unterschied zwischen Mikroökonomie (Betriebswirtschaft) und Makroökonomie/Volkswirtschaft. Die Existenz dieser beiden getrennten Themengebiete ist nicht etwa einem universitären Ansinnen geschuldet, ein Fach mehr unterrichten zu können, sondern dem substanziellen Wesensunterschied der beiden Bereiche.

Kapitalismus ist de facto ein volkswirtschaftlicher Effekt - also der Makroökonomie. Dieser Aspekt spiegelt sich in der hier verwendeten Kapitalismus-Definition von Kapitel 2.1.2 Kapitalismus ist ... ein sich selbst erhaltender dynamischer Wachstumsprozess ist, der auf systematischer Substitution von menschlicher Arbeit durch Effizienz- und somit Produktivität-steigernde Technik (Maschinen & Anlagen) basiert.“ in dem Kriterium „systematischer“ wider. In seltenen Einzelfällen gab es auch vor Beginn der Entstehung des Kapitalismus durch die Maschinisierung von Webstühlen den Ersatz menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen: Windmühlen, Wassermühlen und Wasserschmieden (alle zählen zu den sog. „Kraftmaschinen“). Weil dies aber nur 2 Bereiche betraf, Mühlen und Schmieden, und diese sich nur in den Begrenzungen bestimmter natürlicher Voraussetzungen, einer windreichen Gegend oder einem Bachlauf, bilden konnten (Standortabhängigkeit), war dies kein volkswirtschaftliches Phänomen. Es führte zu keinem wirtschaftlichen Wachstum pro Kopf.

Anhand folgender Unterkapitel soll der extrem wichtige Unterschied zwischen den Ebenen der Betriebs- und Volkswirtschaft verdeutlicht werden.

Sparen Bearbeiten

Sparen wird gemeinhin, sowohl von Politik wie auch dem Mainstream-Ökonomen als Tugend dargestellt. Das aber gilt bestenfalls auf mikroökonischer/betriesbswirtschaftlicher Sichtweise Volkswirtschaftlich ist sparen aber absolut negativ, weil die Binnennachfrage

„Wir müssen den makroökonomischen Zusammenhang begreifen. Wir müssen uns der Tatsache stellen, dass es makroökonomisch ganz andere Beziehungen gibt als mikroökonomisch. Ich kann mikroökonomisch alles Mögliche sagen - kann dem Staat sagen „Spare auf Teufel komm raus“ aber das ist Unsinn, wenn ich es makroökonomisch betrachte. Und das müssen wir wiederbeleben, das gibt es seid 80, 90 Jahren. Das hat mit dem Namen Keynes zu tun ... der „schreckliche Schuldenmacher“. Aber warum hat der über Schulden geredet? Weil man darüber reden muss. Man kann es nicht vermeiden. ... Ich werfe niemand vor, dass er nur die Mikrologik kennt, wir werden damit groß, werden großgezogen mit Mikrologik - Schwäbische Hausfrau im Unternehmen. Alle denken Mikro - ist ja auch völlig in Ordnung. Aber es muss doch in der Wirtschaftspolitik eine Ebene geben, die makro denkt ... weil sie für die Makroebene verantwortlich ist. Und das eben ist im Zuge der sog. neoliberalen Revolution der letzten 30 Jahre vollkommen untergegangen. Also wir haben die Logik beiseite geschoben, nicht nur eine bestimmte Theorie [Anmerkung: mutmaßlich die von Keynes gemeint]. Wir haben die Logik beiseite geschoben [Anmerkung; exakt damit befasst sich das gesamte Kapitel 2.2.6.1] und das darf man in diesem Leben nie tun!"

[Wichtiger Hinweis zum folgenden Video: Herr Flassbeck spricht von England und Engländern, wenn es in Wahrheit um das Vereinigte Königreich und ihre Bewohner geht. Leider aber - und das ist ungleich wichtiger - spricht er auch von Europa, wenn es tatsächlich um die EU geht. Während man ersteres noch als Haarspalterei ansehen kann, ist die Unterscheidung zwischen Europa und EU enorm wichtig: Denn heutzutage wird Kritik an der EU, sei diese auch noch so korrekt, angebracht oder dringend nötig, oft so umgedeutet, als ob man gegen Europa wäre. Dies ist völlig falsch, denn die EU ist nicht Europa und Europa ist nicht die EU. Europa ist ein Erdteil, der sich über das westliche Fünftel der eurasischen Landmasse erstreckt. Die EU hingegen ist ein [künstliches] wirtschaftspolitisches Konstrukt, welches aus der EWG, einer Wirtschaftsgemeinschaft, hervorgegangen ist. Die EU ist zutiefst undemokratisch strukturiert, die nicht davor zurück schreckt, Politik gegen den erklärten Willen der Bevölkerungen (Beispiel Freihandelsabkommen) zu oktroyieren. Die EU ist aufgrund ihrer Struktur und der Uneinsichtigkeit ihrer Entsdcheidungsträger womöglich/wahrscheinlich nicht reformierbar. Deswegen und weil die Auswirkungen der EU mittlerweile verheerend sind, gibt es Manche, die sich für eine Abschaffung der EU aussprechen (Das kritische Netzwerk teilt diese Einsicht). Die EU-Schergen möchten sich aber möglichst keiner öffentlichen Kritik ausgesetzt sehen - deswegen versuchen sie unredlich berechtigte Kritik als anti-euroäisch zu diffamieren, obwohl sich diese in Wahrheit gegen das undemokratische politische Konstrukt und nicht gegen Europa richtet. Bedauerlicherweise befördert Herr Flassbeck mit seiner Diktion diese falsche Darstellung. Davon distanziert sich das KN ausdrücklich]

► Heiner Flassbeck Vortag Europa in der Dauerkrise Brexit EURO Schuldenkrise - Bezugsstelle 41:08

Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit Bearbeiten

Aus betriebswirtschaftlicher Sichtweise können einzelne Unternehmen (durch welche Maßnahmen auch immer) ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. Volkswirtschaftlich aber, wenn alle Unternehmen versuchen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, ist das nicht möglich. Warum? Weil Wettbewerbsfähigkeit IMMER - nämlich systemisch - ein relativer Sachverhalt ist. Weil sich sich ein Wettbewerbsvorsprung IMMER nur im Vergleich zu anderen Wettbewerbern ergibt - das ist prinzipiell gar nicht anders möglich. Ein Vorsprung ist niemals absolut, sondern in Relation zu Zurückliegenden. D.h. Vorsprung vor was oderwem? D.h. eine bessere Wettbewerbsfähigkeit lebt unauflöslich von dem Vergleich mit Anderen, die schlechter sind. Es muss also eine Differenz, einen Abstand, bei einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit geben. Und schon allein darin ist der ganze Irrsinn erkennbar, der in der Forderung liegt, alle (z.B. anderen Länder) müssten ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Senkung der Löhne verbessern. Siehe auch das überaus anschauliche Beispiel von Prof. Heiner Flassbeck in

Den extrem wichtigen, fundamentalen Unterschied zwischen Betriebswirtschaft (Mikroökonomie) und Volkswirtschaft haben schon die meisten Kapitalisten und insbesondere alle Neoliberalisten nicht verstanden. So erhebt der Neoliberalismus diesen Irrtum noch zum ideologischen Dogma: dort wird praktisch unisono aus betriebswirtschaftlicher Sichtweise pseudoargumentiert.

Anhaltender ExportüberschussBearbeiten

Für ein Unternehmen mag eine Gewinnerzielung durch Export auch langfristig erfolgreich sein - jedoch eine gesamte Volkswirtschaft, die anhaltende signifikante Exportüberschüsse erzielt, kann auf strategische Sicht nicht gewinnen, sondern nur verlieren. Gerade am Beispiel des langjährigen Exportweltmeisters Deutschland wird dies deutlich. Abstrakter erklärt anhand folgender verhängnisvollen Kausalkette:

  1. Aufgrund eines Wettbewerbsvorsprungs (auf welche Weise dieser erzielt wurde, ist für die verheerenden Folgen zweitrangig. Zur Richtigstellung nur so viel: der Grund für Deutschlands anhaltend hohe Außenhandelsüberschüsse liegt keineswegs in einer vermeintlich „besonders leistungsfähigen“ deutschen Industrie. Dies hört man allerdings nicht so gern.) wurden die anhaltend hohe Außenhandelsüberschüsse erzielt.
  2. Aufgrund der durch das Exportland geschaffenen Außenhandelsdefizite mangelt es den Netto-Import-Ländern an Devisen, um importierte Waren bezahlen zu können.
  3. Außerdem wurde auf diese Weise Arbeitslosigkeit ins Ausland exportiert, welches mit zu deren Außenhandelsdefizit beitrug.
  4. Folglich werden die Waren auf Kredit gekauft - u. U. abgesichert durch sog. „Hermes-Bürgschaften (link is external)“. Damit kommt der Staat und letztlich der Steuerzahler auf, sollten Kredite platzen.
  5. Solange der Zustand Exporteur/Importeur unter den Ländern hinreichend gleichmäßig wechseln würde, bestünde keine Problem. Wenn aber über längere Zeit immer dasselbe Land, nämlich Deutschland, Exportweltmeister ist, dann nimmt einerseits die Solvens der Schuldnerländer aufgrund der durch Deutschland exportierten #Arbeitslosigkeit ab und anderseits der verzinste Schuldenberg immer weiter zu
  6. Die auf diese Weise „niederkonkurrierten Staaten“ werden in schwere Wirtschaftkrisen getrieben, die es ihnen unmöglich machen, die aufgelaufenen Schulden zu begleichen.
  7. Das Platzen der Kredite ist zwangsläufige Quittung für die vorgenannten Fehlverhaltenweisen des „ständigen Exportweltmeisters“. Aufgrund der geplatzten Kredite wurden die damit „bezahlten“ exportierten Waren verschenkt (gesicherte Zahlen: mittlerweile mehr als 600 Mrd. €)!
  8. Mit den in die schwere Wirtschaftkrise getriebenen Gläubigerstaaten brechen gleichzeitig zulpnftige Kunden & Abnehmer weg.
  9. Dies wird mit gewisser zeitlicher Verzögerung die Exportwirtschaft des ständige Außenhandelsüberschüsse erzielenden Landes einholen!
  10. Auf diese Weise schlussendlich beides ruiniert: die Exportwirtschaft und aufgrund der Verringerung der Binnennachfrage infolge des Kaufkraftverlusts durch Lohndumping auch die Binnenwirtschaft!
  11. Am Ende sind fast Alle die Verlierer: die deutsche und ausländische Wirtschaft wie auch die deutsche und ausländische Gesellschaft! Nur die Großkonzerne, deren Kredite durch den Staat und damit die Steuerzahler getragen wurden, zählen zu den Gewinnern.

LohndumpingBearbeiten

Lohndumping mag im Sinne des Maxims der Gewinnmaximierung (Profitgier) vordergründig und betriebswirtschaftlich sinnvoll erscheinen; volkswirtschaftlich führt das aufgrund ständig sinkender Binnenkaufkraft zur Schädigung der Binnenindustrie in die Katastrophe.

NiederkonkurrierenBearbeiten

Betriebswirtschaftlich mag es für ein Unternehmen ein Erfolg sein, wenn es ein anderes per Konkurrenzdruck aus dem Markt verdrängt - wenn dies aber in makroökonomischen Dimensionen erfolgt,

  • indem eine Volkswirtschaft eine oder mehrere Andere niederkonkurriert, dann führt dies zu schweren Wirtschaftskrisen, unter denen sowohl Im- wie Exportländer zu leiden haben
  • dann führt dies langfristig inländisch zu Oligopol- und/oder [Quasi-]Monopolbildung und zu schweren Marktverzerrungen.

► Heiner Flassbeck: 20 Jahre nach den Verträgen von Maastricht - Die Europäische Union in der Krise? - Bezugsstelle für Punkt 1 32:16

Zwischenfazit Betreibs- versus VolkswirtschaftBearbeiten

Es sind diese Widersprüche zwischen kurzfristiger und begrenzter betriebswirtschaftlicher Sichtweise sowie einer langfristigen und gesamtwirtschaftlichen, welcher dem Verständnis kapitalistischer Mechanismen oft entgegen stehen und infolge dessen zu Fehlannahmen führen, welche den Wachstumsprozess konterkarieren.

In volkswirtschaftlichen Fragen hilft die viel bemühte „schwäbische Hausfrau“ nicht nur nicht weiter - diese Sichtweise konterkariert oftmals sogar das Lösen gesamtwirtschaftlicher - also die Volkswirtschaft betreffende - Probleme oder Krisen! Diese elementare Einsicht in die Köpfe zumindest all Derjenigen zu bekommen, die

  • sich in der Öffentlichkeit (Medien) über gesamtwirtschaftliche Probleme auslassen und
  • umso mehr Derer, die tatsächlich entsprechende Verantwortung tragen oder wichtige entsprechende Entscheidungsträger sind,

stellt die fundamentale Herausforderung dar, die es zu Beginn eines wirtschaftlichen Gesundungsprozesses in Politik und Wirtschaft zu bewältigen gilt.

Nicht nur wegen der chronischen Uneinsichtigkeit, Unbelehrbarkeit und Beratungsressitenz der meisten Politiker und ggf auch Wirtschaftsbosse aber ist eine derartige Erwartungshaltung wahrscheinlich zur Erfolglosigkeit verdammt, sondern auch, weil das auf das öffentliche Eingeständnis der eigenen Inkompetenz und eines jahrelang falschen Handelns hinauslaufen würde. Insbesondere fast allen Spitzenpolitikern mangelt es an der dafür erforderlichen Charaktergröße fundamental. Für Narzissten ist schon allein die Vorstellung, geschweige denn das öffentliche Zugeständnis, jahrelang einen kontraproduktiven, fundamental falschen Kurs verfochten zu haben, mit dem eigenen Selbstbild unvereinbar. D.h. weder mit den derzeitigen Politikerchargen (zu denen auch der neu hochgekochte Strahlemann und vermeintliche Hoffnungsträger „Schulz“ zählt ebenso wie alle namhaften AfDler), noch den neoliberalen „Beratern“ und vermeintlichen „Experten“ (s.u.) dürfte dieser dringend nötige Wechsel zu machen sein.

Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. - Abert Einstein

Wenn also Prof. Dr. Heiner Flassbeck davon spricht, dass Politiker ausgewechselt werden müssen, dann bedeutet das nicht, diese gegen andere Exemplare, die der gleichen ideologischen [neoliberalen] Verblendung anheim gefallen sind, auszutauschen, sondern dann müssen Vorgenannte gegen verständigere, einsichtigere und fundamental kompetentere Vertreter eingewechselt werden. Mit den etablierten Parteien CDU/CSU, SPD, FDP, Grüne ist das ebenso wenig zu machen wie mit der AfD.

Weiterführendes:

  • KN-Artikel Ein Rat für 2017: Misstraut den „Experten“ und denen, die sich dafür halten!

Die wahren negativen Aspekte des KapitalismusBearbeiten

Wenn also der Wachstumsprozess des Kapitalismus in Wahrheit gar nicht auf Ausbeutung beruht, sondern im Gegenteil auf höhen und steigenden Löhnen und de facto bestehende Ausbeutung nicht dem Kapitalismus, sondern einerseits der Gier (die es auch schon seit eh und je gab und nicht erst durch den Kapitalismus seinen Weg in die Menschheitsgeschichte bahnte) und anderseits der fehlenden Einsicht in die wahre Natur des Kapitalismus geschuldet ist, was sind denn dann die wahren negativen Phänomene des Kapitalismus?

  1. Kapitalismus besitzt einen systemimmanenten Drang zur Unternehmenskonzentration (Marx: inhärente Akkumulation des Kapitals) durch Verdrängung, Aufkauf, Fusion, Kartell- und Oligopolbildung bis hin zum Extrem: dem [Quasi-]Monopol (selbst in den neuen Märkten: MS, google, facebook, Amazon sind konkrete Beispiele, wie sich innerhalb weniger Jahre bzw. Jahrzehnte Quasi-Monopolisten gebildet haben)
  2. Kapitalismus neigt systemimmanent zu Krisen - höchstwahrscheinlich deswegen, weil er systemisch einen selbstverstärkenden Rückkopplungsprozess (siehe Kapitel 1.3) darstellt, welcher wiederum systemisch instabil ist
  3. Der Wachstumsprozess an sich kennt keine Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt - in sofern ist er, wenn er nicht durch staatliche Regularien begrenzt und eingehegt wird, zerstörerisch
  4. Der Zwang zum Wachstum kennt kein Ende (siehe auch Kapitel 1.8) - mit einem steigenden Ressourcenverbrauch als Konsequenz
  5. Konsumismus und Produktion eigentlich nicht benötigter Produkte, Überproduktion, Obsoleszenz
  6. Fördert materialistische Sichtweise und Konkurrenzdenken > Ellenbogengesellschaft anstatt Kooperation und Solidarität
  7. Ein nicht zu unterschätzender Sachverhalt aber ist: Kapitalismus ist ein komplexer Wirtschaftsprozess, welcher sich in seiner Systematik so schwer dem Menschen erschließt, dass selbst ausgesprochene Kapitalisten die Wirkmechanismen oftmals nicht begriffen haben (Henry Ford bildet da eine seltene Ausnahme) und somit zu der vermeintlich nahe liegenden [Fehl-]Annahme kommen, die dann ausgerechnet noch der ohnehin bestehenden Gier vieler Menschen Vorschub leistet: Gewinnmaximierung durch Lohndumping und Ausbeutung.

Weiterführendes:

  • KN-Artikel: Dem Konsumismus trotzen!
  • KN-Artikel: Kaufen für die Müllhalde. Das Prinzip der Geplanten Obsoleszenz
  • KN-Artikel: Agenda der Solidarität für eine inklusive Gesellschaft

Die positiven Aspekte des KapitalismusBearbeiten

Jenseits des Kapitalismus hat es weltweit und über alle Zeiten hinweg nur stagnierende Agrarwirtschaften gegeben (England unmittelbar vor Ausbruch des Kapitalismus ausgenommen). Den vor 300 Jahren in Deutschland lebenden Menschen der "normalen Gesellschaft" ging es nicht besser als den vor 2000 Jahren irgendwo sonst auf der Welt. Einzig und allein der sog. moderne Kapitalismus hat es geschafft, erstmals in der Menschheitsgeschichte zu einem wirtschaftlichen Wachstum pro Kopf zu führen: heute leben Menschen rund 20x besser als vor 200 Jahren (siehe Video). Der Kapitalismus als absolutes System, welches alle Bereiche der Gesellschaft durchdringt, hat nicht nur materiellen Wohlstand hervorgebracht, sondern darüber hinaus Errungenschaften ermöglicht, die heute kaum jemand missen möchte. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

   Demokratie
   Gleichberechtigung
   allgemeine Bildung
   längeres Leben - die durchschnittl. Lebenserwartung hat sich von 1871 bis heute mehr als verdoppelt - siehe hier (link is external).

► Der Sieg des Kapitals - Vortrag von Ulrike Herrmann in der auto-kultur-werkstatt - Bezugsstelle 22:15

Kapitalismus und ArbeitslosigkeitBearbeiten

Warum hat Kapitalismus nicht längst zu einer gigantischen Massenarbeitslosigkeit geführt (die bestehende Massenarbeitslosigkeit ist dem Neoliberalismus geschuldet und eben nicht dem Kapitalismus - der Nachweis wird im weiteren geführt)? Denn genau das wäre zu erwarten, wenn immer mehr menschliche Arbeitskraft durch Maschinen und Anlagen ersetzt werden. Dies ist vermutlich der schwierigste Komplex überhaupt.

Die hier vertretene These ist, dass bei einem korrekt gesteuerten Kapitalismus mehrere Ursachen bisher im Regelfall (zu der Ausnahme wird in Kapitel ...) nicht zu einer extremen Arbeitslosigkeit führen:

  • Die im Regelfall enorm arbeitsteilige Wirtschaftskette: Kaum ein Unternehmen stellt sein Endprodukt direkt aus Rohstoffen her, sondern über eine Kette von Zwischenprodukten
  • Insbesondere gilt Vorgenanntes im Regelfall für die Effizienz steigernde Technik in Form von Maschinen und Anlagen.
  • wachsende Märkte
  • neue Märkte

Digitalisierung und Industrie 4.0Bearbeiten

„Im Regelfall“ berücksichtigt die absehbare Ausnahme: nämlich die vierte industrielle Revolution. Schon jetzt hat die Digitaliserung / Computerisie- rung manche Berufsbilder komplett verschwinden lassen:

  • Flugingenieure: gibt es nicht mehr > Bordcomputer
  • Technische Zeichner > Ingenieure zeichnen mit CAD-Workstations selbst
  • Bankkassierer > Bankautomaten.

Das Entfallen dieser Tätigkeitsfelder war volkswirtschaftlich in soweit nicht brisant, wie es nur verhältnismäßig wenig Menschen betroffen hat. Durch weitere technologische Entwicklung - ob die nun Industrie 4.0 genannt wird oder anders ist dabei völlig irrelevant - ist jetzt schon absehbar, dass gewisse andere Berufe in ihrer Existenz bedroht sind:

  • Kassierer > Scannerkassen, die vom Kunden selbst bedient werden
  • Altenpflege > Roboter
  • Fahrer (Taxi, öffentlicher Verkehr & Zusteller) > autonome Fahrzeuge und/oder Drohnen
  • Logistikarbeiter > Roboter

Die Brisanz allein hinter einem weitgehenden Verschwinden nur dieser vier Berufe ist eine völlig andere: unser Wirtschaftsystem beruht auf dem Verkauf produzierter Waren, was in Läden - derzeit noch - zwingend Kassierer voraussetzt. Gleichzeitig hat der Internethandel zwar wiederum viele Läden kaputt gemacht - aber sowohl die Logistikbranche wie auch eine Zulieferindustrie extrem anwachsen lassen (womit nicht angedeutet werden soll, dass der Internethandel genauso viele Arbeitsplätze neu geschaffen, wie er vernichtet hat) - die bestellten Waren müssen ja zuvor irgendwie gelagert, verpackt und schließlich angeliefert werden. Wenn diese Zulieferer durch Drohnen und/oder Autonome Fahrzeuge ebenfalls wegfallen so sind davon volkswirtschaftlich relevant viele Menschen betroffen. Mit anderen Worten: die kommenden technische Entwicklung besitzt durch die Masse der davon betroffenen Arbeitsplätze eine völlig andere Dimension.

  • Zukunft der Arbeit - Die Digitalisierung braucht eine soziale Agenda / Fast die Hälfte der Arbeitsplätze in USA bedroht - Handelsblatt (link is external)
  • ... massive Jobverluste durch Digitalisierung & Automatisierung/Eine düstere Prognose für den Arbeitsmarkt hat die Meta-Jobsuchmaschine ... erstellt: Danach können neu entstehende Arbeitsplätze in der Automatisierungsindustrie die prognostizierten Verluste nicht einmal ansatzweise kompensieren. - Heise (link is external)
  • Die Massenarbeitslosigkeit kommt zurück - Die Digitalisierung zerstört mehr Arbeitsplätze, als sie neue schafft. Zugleich wird der Wettbewerb durch Null-Stunden-Verträge härter. Fünf Thesen zur Zukunft der Arbeit - Die ZEIT (link is external)
  • Droht mit Digitalisierung jedem zweiten Job das Aus? - WELT (link is external)
  • Maschinen könnten 18 Millionen Arbeitnehmer verdrängen - WELT (link is external)

Die hier beschriebenen Auswirkungen beschreibt den Kern des durch Technik und Gewinnsteigerung getriebenen kapitalistischen Prozesses.

Kapitalismus - zum Wachstum verdammt?Bearbeiten

Viele Menschen geben sich der Einstellung hin:

warum belassen wir es nicht dabei, was wir haben? Das reicht doch - wir brauchen doch nicht immer mehr Wachstum.

Mit dieser Haltung geht die Einstellung einher, dass man das erreichte Niveau aufrecht erhalten könnte. Das ist gemäß der Erkenntnis von Prof Joseph Binswanger leider ein Trugschluss, weil der Kapitalismus ein dynamischer Prozess ist, der zum Wachstum „verdammt“ ist. Wenn das Wachstum dauerhaft ausbleibt - aus welchen Gründen auch immer - dann reißen die Investitionsketten. Infolge dessen bleibt es nicht bei einem „erreichten Niveau“, sondern die gesamte Wirtschaft wird chaotisch zusammenbrechen. Das darf man sich keinesfalls irgendwie positiv vorstellen. Dies wird in desaströsen Zerfall münden mit entsprechenden katastrophalen Folgen bzw. Zuständen - schlimmer als in Griechenland.

Aus genau dem gleichen vorgenannten Grund wird auch der Ansatz, das quantitative durch ein „qualitatives Wachstum“ zu ersetzen, „weil wir genug haben und nicht noch immer mehr brauchen“, nicht funktionieren, so schön der Gedanke an sich auch sein mag: Der kapitalistische Wachstumsprozess ist von seinem Wesen leider durch quantitatives Wachstum getrieben - das „Treibmittel des Kapitalismus“, der Ersatz menschlicher Arbeitskraft durch produktivitätssteigernde Technik, die systemisch zu Mehrproduktion führt, bietet keinen Ansatz, quantitatives durch qualitatives Wachstum zu substituieren.

Folgen der Abkehr vom KapitalismusBearbeiten

Erschwerend kommt hinzu, dass die Menschen um der Wahrheit Willen über alle Konsequenzen einer Abkehr aufgeklärt werden müssten. Während viele Menschen in der sogenannten 3 Welt womöglich kein Problem damit hätten, dürften dieses umso größer im „entwickelten Westen“ sein:

So viel berechtigte Kritik es auch am Kapitalismus geben mag: selbst ausgemachte Kapitalismuskritiker sind sich oft nicht im Klaren, wie viel Positives dieser auch für die Gesellschaft hervorgebracht hat und auf wie viele lieb gewonnene Annehmlichkeiten in einen un-kapitalistischen Wirtschaftssystem verzichtet werden müssten - angefangen beim Privatauto. Aber auch Lebensversicherungen und Krebsbehandlung dürfte es wohl nicht mehr geben. Es ist einfach unredlich, wenn Anti-Kapitalisten über die Probleme des Kapitalismus schimpfen, die oftmals gar nicht diesem geschuldet sind, eine Abkehr vom „Schweinesystem“ fordern und dann nicht darüber aufklären, welche wirtschaftlichen und/oder politischen Konsequenzen das für die Gesellschaft haben wird.

Woran der Kapitalismus scheitern wirdBearbeiten

Eines aber sollte völlig klar sein: Weil Kapitalismus ständiges Wachstum benötigt, diese Welt aber nur endliche Ressourcen besitzt, wird er an der Umwelt- und/oder Ressourchenschranke scheitern - spricht brutal und chaotisch zusammenbrechen - wenn nicht vorher eine Transformation stattfindet. Nun gibt es Personen, die die Ansicht vertreten, dass der Kapitalismus nicht an der Knappheit scheitern wird, weil „Knappheit eine der Methoden der Kapitalverwertung. Je knapper die Güter, desto wertvoller werden sie.“

► Solikon 2015: Was kommt nach dem Kapitalismus? 1:17:15 - Bezugstelle 22:00

Das Problem dabei ist: auch wenn die Preise für die knappen Güter noch so sehr steigen, so ändert das an der Knappheit nichts. Weil aber Kapitalismus wesensmäßig die Erzeugung von Wachstum beinhaltet und Wachstum ein Mehr an produzierten Gütern bedeutet, dann steht eine zunehmende Knappheit an Ressourcen dem sehr wohl entgegen, egal wie wertvoll die Produkte dann werden.

Was Kapitalismus nicht ist - verfehlte Kritik Bearbeiten

Selbst Personen, von denen man eigentlich annehmen sollte, dass sie es besser wüssten, nämlich intellektuelle Kapitalismuskritiker, verfallen einem Irrtum, der nahezu unisono obenauf liegt: nämlich der Fehlannahme, dass Kapitalismus das ist, was die Realität erkennen lässt. Dies ist deswegen falsch, weil Kapitalismus „nur“ ein Prozess ist - was die Wirklichkeit zeigt ist jedoch die Kombination aus selbigem und den Folgen dessen [Fehl-]Steuerung. Weil viele Menschen mit diesem Prozessdenken, also der Differenzierung zwischen Prozess, Steuerung und deren Gesamtergebnis, nicht vertraut sind, ein veranschaulichendes Beispiel:

Erwachsenwerden ist ebenfalls ein Prozess, der sich nicht aufhalten lässt. Durch entsprechende Erziehung und andere soziale Erfahrungen kann dieser Prozess entweder zum Guten gefördert oder zum Schlechten beeinflusst bzw. gesteuert werden. Aber so oder so nimmt der Prozess seinen Fortgang. Wenn grottenschlechte Steuerung am Ende einen lebensuntüchtigen, naiven, unkritischen und [denk-]faulen Erwachsenen hervorbringt, dann würde doch niemand dem Prozess des Erwachsenwerdens dafür die Schuld geben, sondern der totalen Fehlsteuerung - z.B. einer schweren Fehlerziehung. Ein Jugendlicher, welcher per se erwartet, dass alle seine Wünsche erfüllt und jegliche Anstrengungen abgenommen werden, wird völlig zu recht als „verzogen“ bezeichnet, was doch Kritik an einer Fehlerziehung (Steuerung) äußert und nicht dem Prozess des Erwachsenwerdens.

Bei Kapitalismuskritik jedoch werden fast immer die Folgen einer mehr oder weniger abgründigen „Misslenkung“ dem abstrakten Prozess Kapitalismus anstatt der eigentlich dafür verantwortlichen menschlichen Fehlsteuerung angelastet. Diese dringend nötige erkenntnismäßige Differenzierung zwischen Prozess und Steuerung sollte für Kapitalismuskritiker, insbesondere jene, die geistig in der Ideologie des Sozialismus gefangen sind, als allererstes vollzogen und nachgeholt werden.

Leider scheitern erfahrungsgemäß so gut wie Alle kommunistische Antikapitalismuskritiker an dieser intellektuellen Herausforderung. Warum? Weil für jene Kapitalismus der Feind schlechthin ist und es gemäß des Mottos „was nicht sein darf, das nicht sein kann“ unmöglich erscheint, dass jener doch nicht so schlecht ist. Damit würde ein Feindbild wegbrechen. Das Eingeständnis, dass die hier ausgeführten Erkenntnisse korrekt sind, würde darauf hinauslaufen, jahre- oder gar jahrzehntelang etwas Falsches vertreten zu haben. Da ist es viel einfacher, auf der eintrainierten oder möglicherweise sogar indoktrinierten Sicht zu beharren. Aus Sicht der Psychologie ein typisches Verhalten. Nur leider im Sinne der Verbesserung gesellschaftlicher Zustände überhaupt nicht zielführend. Mehr noch: diese Fehleinstellung konterkariert das Ziel der Erreichung einer besseren, gerechteren und menschlicheren (nur die positiven Aspekte) Welt, weil ständig falsche Forderungen erhoben und der falsche Feind bekämpft wird: Nämlich der Prozess des Kapitalismus anstatt dessen komplette Fehlsteuerung: Neoliberalismus.

Zwischenfazit: Kapitalismus ist ein [abstrakter] Prozess (detaillierte Definition siehe Kapitel 1.1). Der Kapitalismus ist jedoch nicht seine eigene Steuerung. Diese ist rein menschengemacht - durch politische Gesetzgebung. Insbesondere ist der kapitalistische Prozess nicht das Gesamtergebnis, welches sich erst in Kombination mit einer politischen Regelung bildet. Die oftmals aus linksextremen Kreisen erwachsende Kapitalismuskritik krankt fundamental an diesem fehlenden Prozessdenken und entsprechender Differenzierung. Was in gewisser Weise auf intellektuelles Versagen hinausläuft.

Die falschen ManifesteBearbeiten

Hinreichend Kundigen ist bewußt, dass schon zuvor zwei Bücher unter dem täuschenden (s.u.) Titel “Das kapitalistische Manifest” erschienen sind:

Im Oktober 2012 erschien von Matthäus Thun-Hohenstein im Ares-Verlag „DAS KAPITALISTISCHE MANIFEST -Ein Blick hinter die Kulissen des Zinssystems“ Wie schon der Untertitel verrät geht es also in Wahrheit ums Zinseszinsgeldsystem. Jenes aber existiert schon seit mind. 4000 Jahren, weswegen dies gar kein Kapitalismus sein kann. “Das Zinseszins-Manifest” wäre also weit treffender. Das erste vermeintliche “kapitalistische Manifest” erschein 2003 vom Schweden Johan Norberg im Eichborn-Verlag. Dies ist eine einzige Katastrophe, da ein neoliberales Propagandamachwerk. Norberg versagt an der Analyse des Kapitalismus auf ganzer Linie: Etikettenschwindel: Wie schon vorgenanntes Buch handelt auch dieses Manifest gar nicht vom Kapitalismus, sondern von der Ideologie des Neoliberalismus, welche die Fehlsteuerung des Kapitalismus par exzellence darstellt.

Fachliche Inkompetenz: Neoliberale Apologethen beweisen mit ihrer Forderung freier, also unregulierter Märkte nur ihr fundamentales Unverständnis des kapitalistischen Prozesses. Ein sich selbst überlassener Kapitalismus neigt nicht nur zu schweren Wirtschaftskrisen, sondern führt auch infolge extremer Vermögensschieflagen zu gesellschaftlicher Destabilisierung (siehe Kapitel 1.3.3). Gerade das propagierte Ziel, Wohlstand für alle, lässt sich nur durch eine scharfe entsprechende Regulierung erreichen, was das glatte Gegenteil neoliberaler Forderungen darstellt.

Ideologische Verblendung: das Geschwafel von „globalisierter Marktwirtschaft“ beweist zweierlei:

erneute Inkompetenz in der Sache, denn dass der kapitalistische Prozess systembedingt zur Akkumulation und Machtkonzentration führt, hat schon Karl Marx korrekt erkannt. Am Ende dieses Prozesses herrscht kein Konkurrenz- sondern systemisch ein Verdrängungswettbewerb. Der aber hat gar nichts mehr mit Marktwirtschaft im Sinne der Marktwirtschaftslehre zu tun, demgemäß „sehr viele“ Anbieter miteinander konkurrieren (siehe Kapitel 1.3.2). Realitätsverlust: ein nüchterner Blick auf die Realitäten würde unmittelbar zu der Erkenntnis führen, dass entgegen der Marktwirschaftslehre eben nicht „ganz viele Anbieter im Konkurrenzwettbewerb“ stehen, sondern ein global agierendes kleines Oligopol transnationaler Großkonzerne die Märkte untereinander aufteilt. Im Gegenteil hat die Spieltheorie bewiesen, dass verbleibende mächtige Player zur Kooperation (Kartell) neigen, weil ein Konkurrenzwettbewerb nicht nur ruinös wäre, sondern das Ergebnis ungewiss ist. Konkurrenz ist auf dieser Ebene nicht nur unerwünscht, sondern wird mit allen Mitteln vermieden (Absprachen, Kartelle). Fakteninversion: Neoliberalismus, dessen Loblied Norberg singt, steht mit Demokratie in einem systemischen Konflikt (dies wird besonders an dem von Norberg beworbenen Freihandel deutlich). Auch hier also das glatte Gegenteil neoliberaler Desinformationspropaganda.

Realitätsferne Propaganda: Freihandel als Wohlstandsbringer für Alle, gerade auch die Armen [Länder]? Auch hier irrt Norberg - sogar in doppelter Hinsicht:

Noch nicht entwickelte Industrien müssen gegenüber entwickelten Industrien anderer Länder durch Schutzzölle protektioniert werden. Ansonsten kann sich dort nie eine entwickelte Industrie ausbilden oder die in der Entwicklung befindliche wird von der Entwickelten niederkonkurriert - sprich „kaputt gemacht“. Gerade diese Erkenntnis lehren alle Erfahrungen in Ländern der sog „dritten Welt“. Freihandelsabkommen mit ihren Demokratie und Rechtsstaat unterminierenden Zwangsklauseln verschärfen den vorgenannten Sachverhalt. Gerade Freihandelsabkommen führen dazu, dass sich wenige transnationale Großkonzerne und die hinter ihnen stehenden Superreichen auf Kosten der Gesellschaft und verklagten Staaten (und damit den Steuerzahlern) bereichern [können]. Womit zum wiederholten Male das glatte Gegenteil von Norberg neoliberaler Volksverdummung der Wirklichkeit entspricht. Generell zur Behauptung der vermeintlichen Wohlstandssicherung durch Umsetzung neoliberaler Forderungen: Neoliberalimus als Umverteilungsideologie von unten nach oben, welche nur den Superreichen und Großkonzernen auf Kosten der Gesellschaft nutzt, die dabei in die Verarmung getrieben wird, führt eben nicht zu allgemeiner Wohlstandssicherung, sondern dem zum glatten Gegenteil, der Verarmung der Gesellschaft.

Ergo: beide Bücher behandeln gar nicht den Kapitalismus, sondern entweder das Zinseszinssystem oder Jubelpropaganda neoliberaler Dogmatik. „Thema verfehlt“ trifft beide - die Titel sind eine Täuschung. Jedoch vermag das Buch von Matthäus Thun-Hohenstein zum Zinseszinsgeldsystem inhaltlich zu überzeugen. Gleiches kann Johan Norbergs Propagandaschrift nicht zu Recht behauptet werden: die in strittigen Fragen vielfach unhaltbaren Behauptungen zeugen symptomatisch vom Unvermögen nahezu aller Neoliberalen, die kapitalistischen Wirkprinzipien zu begreifen. Vielmehr bedient es die typische neoliberale Desinformation und Volksverdummung.

Daher ist die hier dargelegte Analyse die erste, die den Namen “Das kapitalistische Manifest” zu Recht trägt.

Tatsächlich Kapitalismus die Wurzel der Übel?Bearbeiten

Allein die Tatsache, dass die Verhältnisse im Kapitalismus in den 50er bis 70er Jahren schon mal weit besser waren, wo die Menschen noch an den Unternehmensgewinnen partizipierten - nicht wie in den rund letzten 15 Jahren, wo es überwiegend praktisch keine Reallohnzuwächse mehr gab, widerlegt die Behauptung, die ganzen schlechten Zustände wären systemisch dem Kapitalismus geschuldet.

Viele der unguten Umwälzungen nahmen ihren Anfang mit dem Zusammenbruch der UdSSR. Damit ist dem Westen das konkurrierende Wirtschaftssystem weggebrochen, demgegenüber sich das Eigene als das Bessere zu beweisen hatte. Folgerichtig können diese Verschlechterungen ebenfalls nicht systemisch kapitalistisch sein.

Wenn aber viele Übel keine systemimmanenten Eigenschaften des Kapitalismus sind, dann lassen sie sich auch ohne Systemwechsel abschaffen. Dann ist im Grunde auch nicht der Kapitalismus als System Schuld, sondern etwas anders. Womit sich die Frage stellt: was? Genau davon wird der kommende Artikel "Neoleberalismus" handeln.

Fazit - Kapitalismus: Fluch oder Segen?Bearbeiten

Eine hinreichend ideologiefreie und auf Wahrheitsfindung ausgerichtete Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass Kapitalismus ein zutiefst ambivalentes (zwiegespaltenes) Phänomen ist: sowohl ist er verantwortlich für sehr viele heutige Annehmlichkeiten, auf die wir heute nicht mehr verzichten/missen wollen (z.B. höhere Lebenserwartung, rund 20x so hoher wirtschaftlicher Wohlstand im Vergleich zu 1760, Demokratie, Gleichberechtigung, allgemeine Bildung), wie auch für einige sehr schlechte Ausprägungen (Umweltzerstörung, Ressourcenverschwendung, Reichtumskonzentration, Wirtschaftskrisen etc.). Kapitalismus ist also Beides zugleich - sowohl Fluch wie auch Segen als dialektisches Paradox.

Extrem wichtig ist dabei die Differenzierung zwischen den tatsächlichen Wirkprinzipien des Kapitalismus und dem, was die allermeisten Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft infolge von Unverständnis ebenjener (=> Inkompetenz), Gier und/oder ideologischer Verblendung (Neoliberalismus) daraus gemacht haben!

Mehr Fluch oder mehr Segen? Eine Frage politischer SteuerungBearbeiten

Ob sich die Folgen des kapitalistischen Prozesses mehr in Fluch oder mehr in Segen manifestieren, hängt von dessen wirtschaftspolitischer Steuerung ab: So sehr Kapitalismus auch mit systemischen Zwängen (Kapitel 1.5 und 1.8) verbunden ist - was von Wohl oder Wehe überwiegt bedingt dann doch menschliche Entscheidung, nämlich die Steuerung / Regelung durch die in Gesetze gegossene Wirtschaftspolitik der Regierung!

Wenn schon die Wirkprinzipien des kapitalistischen Prozesses nicht verstanden wurden, wie dies bei den allermeisten Politikern und insbesondere Neoliberalen infolge fachlicher Inkompetenz und/oder ideologischer Verblendung der Fall ist, dann liegt es in der Natur der Sache, dass dies i.d.R. nicht zu einer adäquaten Steuerung führt, die Kapitalismus zum Wohle der Gesellschaft lenkt.

Ergo: Nicht der kapitalistische Prozess an sich, sondern dessen politische Steuerung/Regelung (Regulierung) entscheidet, welche Potenziale [mehr] zum Vorschein kommen und wer zu den hauptsächlichen Profiteuren zählt: nur wenige Hyperreiche oder auch die Breite der Gesellschaft.